Pots-Blitz… oder: nicht zu Ende gedacht

Beim Einsatz mobiler Geschwindigkeitskontrollen liegt Potsdam weit über dem Bundesdurchschnitt vergleichbarer Städte. Kann man verstehen. Potsdams Finanzbedarf ist groß, und das teure Equipment sollte sich natürlich möglichst schnell amortisieren. Deshalb hat man nun eine neue “Gefahrenstelle” ausfindig gemacht. Auf der Tempo 30 Strecke der Leipziger Straße steht geschickt getarnt hinter einer Litfaßsäule (ja, noch mit “ß”, denn der Erfinder hieß so) eines der Hightech-Geräte zur Überführung von Geschwindigkeitssündern. Dumm nur, dass wenige Meter zuvor die Straße “Altstadtblick” in die Leipziger Straße einmündet. Autofahrer, die aus dieser Straße kommen, haben bis zur Messstelle nicht ein einziges Schild zur Geschwindigkeitsbegrenzung gesehen, haben also gar keine Chance, vom Tempolimit zu erfahren – bis zum roten Blitz. Die Einsprüche gegen die Bußgeldbescheide die auf die hier produzierten Schwarz/Weiß-Bilder folgen, dürften einigen Rechtsanwälten ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

Das Nervt Shortlist

  • Menschen, die sich permanent darüber beklagen, dass der Sommer ausnahmsweise mal nicht nur im Südwesten stattfindet, sondern auch mal einen Abstecher in die Diaspora gemacht hat.
  • Fahrradfahrer, die sich beharrlich weigern vor einem Spurwechsel den enormen Aufwand eines Schulterblicks auf sich zu nehmen.
  • Tempo 30-Zonen, die nur eingerichtet werden mussten, weil der Brandenburger an sich sich so leicht von einer Kurve überrumpeln lässt.
  • Polizisten, die bei einer Straßensperre ihr Übergewicht nicht in Bewegung bringen möchten, um die Frage nach einer freien Alternativroute zu beantworten.

 

Verkehr in Potsdam – die Praktikanten haben wieder zugeschlagen.

Zugegeben: die Voraussetzungen für eine funktionierende Verkehrsplanung in Potsdam sind nicht gerade die besten. Fast eine Insellage, marode Straßen und eine Schlösserstiftung, die stets ihre wichtigen “Sichtachsen” schützt, als seien es die letzten Käfer einer aussterbenden Art. Aber können es nicht vielleicht auch einmal Profis versuchen? Es ist ja schön, dass man gerne auch den Praktikanten in der Stadtverwaltung immer wieder eine Chance gibt. Aber ein wenig Vorwissen und  – selten zu finden in Potsdam – Kompetenz würden das Ergebnis vielleicht doch an der einen oder anderen Stelle verbessern.
Und hier sprechen wir noch nicht von Feigenblattprojekten, wie man eines in der Zeppelinstraße findet. Selbst bei vergleichsweise einfachen Maßnahmen scheitert man in Potsdam immer wieder ganz grandios. Jüngstes Beispiel: Baustelle Friedrich-Engels-Straße. Wer kommt auf die Idee eine provisorische Ampel genau an der Stelle aufzustellen, an der es schon immer eine Spurzusammenführung gab? Da sind Unfälle – selbst bei Nichtbrandenburgern – vorprogrammiert.
Oder Sperrung einer Fahrtrichtung in der Leipziger Straße. Nur weil ein paar hundert Meter nach dem Leipziger Dreieck mal wieder ein Loch in die Straße gebuddelt wird (wahrscheinlich erfolgt gerade wieder die Reparatur einer Reparatur einer Reparatur), wird jeder, der seine Nerven im neuen Familien-Spaßbad Blu strapazieren möchte, zu einem Umweg von 2 km gezwungen, obwohl die Einfahrt bereits am Durchfahrt-verboten-Schild zu sehen ist. Eigentlich merkwürdig in einer Stadt der Öko-Krieger und Fahrrad-Extremisten.